Lernen von ...

... Straßenhunden

Straßenhunde zeigen uns einen Weg

Gelegentlich reise ich in Länder, in denen noch Straßenhunde frei leben. Diese Hunde zu beobachten, fasziniert mich sehr.

Aber Warum tut es das?

Das ist recht einfach erklärt: Diese Hunde haben in aller Regel nicht diese (psychologischen) Probleme bzw. Problemverhaltensweisen, die wir bei Haushunden antreffen. Natürlich gibt es für viele dieser Wesen andere Herausforderungen, doch konzentriert man sich auf deren Tagesablauf, Ethogramm und Soziogramm, so lässt sich einiges davon ableiten, was wir heute anders machen können, wollen wir den Haushund weiter als Sozialpartner fördern - und davon gehe ich ganz persönlich aus. Dem Verstehen der Spezies Hund kommt man dadurch näher.

Ich selbst habe meine Hunde an eine Tagesablaufstruktur von Straßenhunden angepasst und dadurch deren Verhalten in unserer Gruppe und auch gegenüber Nicht-Gruppenmitglieder deutlich verbessert - und das ganz ohne irgendwelche Training. Ich lasse Sie Hund sein. Die Herausforderung entsteht dort, wo der Mensch bzw. sein Umfeld ins Spiel kommt und z.B. Territorialität entsteht bzw. verstärkt wird.

Ebenso dienen mir diese Erfahrungen bei Fällen, wo Menschen Straßenhunde aufnehmen und in der Menschenwelt und Familie integrieren wollen. Wenn man verstanden hat, dass das Leben eines Straßenhundes eine völlig andere Prägung und Sozialisierung erfahren hat, als das eines Hundes vom Züchter und diese beiden Leben miteinander vergleicht, wird klar, dass man Straßenhunde ganz anders betrachten und mit ihnen umgehe darf, um sie nicht zu überfordern.

Ich vergleiche dies gern auch mit der Menschenwelt: Wenn man z.B. ein Kind aus der Dritten Welt bei sich aufnimmt, so kann dieses Kind massive Schwierigkeiten bei der Anpassung an unsere Welt haben. Ein anderer Vergleich wäre z.b., wenn ein Mensch, der auf dem Land groß geworden ist und plötzlich in eine Mega-Metropole ziehen muss (ich verwende bewusst das Wörtchen "muss"). Auch hier liegt nahe, dass der Organismus des Menschen eine Anpassungsphase haben sollte und manche Menschen ziehen auch wieder zurück aufs Land, weil sie es in der Stadt nicht aushalten können. Selbstverständlich ist das auch anders herum möglich. Und genau so eine Situation dürfen Sie sich für einen Straßenhund vorstellen - zuerst alleine auf der Straße mit Strategien, die sein Überleben sichern und jetzt wird er vielleicht in bester Absicht in einer Wohnung gehalten, in der er nichts mehr selbst regeln kann. Wenn ich dieser Hund wäre, würde das vermutlich Unsicherheit und Angst in mir hervorrufen...

Die Beobachtungen und das Wissen sind daher doppelt nützlich - zum einem wie wir mit unseren Haushunden anders umgehen dürfen, damit Sie keine Problemverhalten entwickeln und zum anderen, wie man Straßenhunde in die Menschenwelt integrieren sollte. Aber: Nicht für jeden Straßenhund ist es sinnvoll, dies zu tun. Bei manchen Straßenhunden ist es gar unmöglich.

Die folgenden Videos zeigen einige Sequenzen aus Bosnien-Herzegowina.