Auf der Fährte des Hundes sich selbst erkennen

Steffen Kröber auf Expedition: Wie lebt der „beste Freund des Menschen“ eigentlich ohne Mensch?


BROMSKIRCHEN Steffen Kröber ist auf den Hund gekommen – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Nach einer steilen Karriere im Management und einer berufsbegleitenden Ausbildung zum NLP-Trainer, ist er seinem „Hamsterrad“ entflohen. Nun arbeitet er selbstständig als Coach für Hundehalter sowie als Hundepsychologe und will Veränderung bringen – für Mensch und Hund. Dazu beschäftigt sich Kröber auch mit dem „puren“ Verhalten der Tiere, sprich: Straßenhunden, die frei ohne Menschen leben.

 

Auf der Spur von Straßenhunden in Bosnien-Herzegowina und auf den Philippinen

Um den Bedürfnissen der Hunde auf die Spur zu kommen, unternahm der 44-Jährige aus Bromskirchen in den vergangenen Monaten verschiedene Expeditionen: Auf den Straßen von Mostar in Bosnien-Herzegowina und auf den Müllhalden und in den Straßen von Cebu-City auf den Philippinen studierte Steffen Kröber das Verhalten frei lebender Hunde und gewann dabei wichtige Erkenntnisse – auch für die Mensch-Hund-Beziehung. 

 

Das Verhalten des Hundes spiegelt den Menschen wider

Eine zentrale Frage in seinem Wirken ist: „Wie müssen wir uns im Familienverbund verhalten, damit das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund gut funktioniert?“ Denn, so lautet seine Theorie: Gibt es Probleme mit Hunden, ist die Ursache in der Regel am anderen Ende der Leine zu finden. In seiner täglich Arbeit bestätigt sich diese Annahme immer wieder. Steffen Kröber möchte also Menschen weiterhelfen, deren Hund ihnen anzeigt, das etwas nicht stimmt.

 

Hunde sind von Natur aus „Langschläfer“

Zurück zu den Straßenhunden: Bei keinem der Hunde – weder in Bosnien-Herzegowina noch auf den Philippinen – konnte Kröber ein ausgeprägtes Jagdverhalten feststellen. Vielmehr streunten sie Tag für Tag durch die Gegend auf der Suche nach Nahrung oder ruhten sich bei einem Nickerchen aus. Übrigens gut zu wissen auch für die Hundehaltung: 15 bis 18 Stunden am Tag verbringen Hunde eigentlich schlafend. 

 

Straßenhunde in Interaktion mit dem Menschen

„Freilebende Hunde jagen nicht oder nur sehr selten, um Energie zu sparen“, vermutet Kröber, denn die Aussicht auf Erfolg sei gering und die Energiebilanz eher negativ. Und auch wenn die Straßenhunde keine direkte menschliche Bezugsperson haben, so stehen sie doch in Interaktion mit den Menschen: Sie nähern sich ihnen an – wie einstmals der Wolf –, um leichter an Nahrung zu kommen. Dabei zeigten sich die Straßenhunde ruhig und in der Regel nicht aggressiv. Manche haben aber auch ein ausgeprägtes Fluchtverhalten und blieben lieber auf Distanz, beobachtete Kröber.

 

Stark ausgeprägter Familiensinn – auch bei freilebenden Hunden

Überdies konnte er bei seinen Expeditionen einen stark ausgeprägten Familiensinn feststellen, wie er auch bei Wölfen – und beim Menschen – zu finden ist. So ließ beispielsweise eine Hündin ihre fünf Welpen nicht aus den Augen, ging dazwischen, wenn ihr Spiel zu wild wurde und verjagte einen fremden Hund, obgleich dieser keinerlei Aggressionen zeigte.

 

Beobachtung als Schlüssel zum Erfolg

Das Studium der Hunde beziehungsweise die Beobachtung ihrer Halter im Umgang mit den Vierbeinern macht den Erfolg von Steffen Kröber als Coach und Hundepsychologe aus. Er lädt die Menschen dazu ein, zunächst auf sich selbst zu schauen. „Bin ich ängstlich oder aggressiv, wird sich dies auch im Verhalten meines Hundes widerspiegeln. Fühle ich mich wohl, ist auch die Mensch-Hund-Beziehung entspannt“, meint er. Die Expeditionen helfen ihm dabei: So berichtet er seinen Kunden inzwischen gerne von den Straßenhunden, um ihnen neue Gedanken in den Kopf zu setzen und so eine Veränderung in deren Verhalten herbeizuführen. Manchmal reicht ein Perspektivenwechsel, um das Verhältnis zwischen dem Halter und seinem Hund grundlegend zu verändern. 

 

Weitere Expeditionen geplant

Auch für den Wolf als Vorfahr der Hunde interessiert sich Steffen Kröber sehr. Weil sich deren Beobachtung in freier Wildbahn aber extrem schwierig und zeitaufwendig gestaltet, nutzt er Tracking von Wolfsspuren zur Analyse von deren Verhalten. Gemeinsam mit anderen Wolfsexperten und Spurenlesern führte und führt er auch dazu verschiedene Expeditionen durch, die durch literarische Studien ergänzt werden. „Nichts ist für mich wichtiger, als selbst Erfahrungen in der Natur mit Caniden zu machen“, berichtet Kröber. Die Reisen und Beobachtungen sind somit seine wichtigste Wissens- und Erfahrungsquelle für die Arbeit mit seinen Klienten. Seine Expeditionen zu frei lebenden Hunden möchte er im Sommer 2019 auf Fuerteventura fortsetzen.