Dein Hund reagiert aufgeregt auf Besuch und deine sozialen Kontakte gehen »flöten«?

Vor kurzer Zeit habe ich mit einer Familie gearbeitet, deren Hund sich bei Besuchen von Männern sehr stark aufgeregt hat und nicht mehr zur Ruhe zu bringen war. Ganz besonders stark war dies beim Besuch einer ganz bestimmten Person. Die Situation ist so weit eskaliert, dass der Hund dem Besucher die Hose zerrissen hat. Mit der Folge, dass der Mann die Familie immer seltener besuchte. Was also tun, wenn wegen des Hundes die eigenen sozialen Kontakte flöten gehen?


Analyse der Situation
Grundlage meiner Arbeit als Hundepsychologe ist immer eine umfassende Bestandsanalyse. Durch die Befragung der Familie und ihres Besuchers stellte sich heraus, dass die Mutter, sobald es an der Tür klingelte und sie wusste, dass dieser Mann zu Besuch kommt, selbst schon angespannt war. Dadurch war auch ihr eigenes Verhalten ein anderes als sonst. Körperspannung, Körperhaltung, Mimik, Tonalität und Abfolgen von Handlungen – also die gesamte Körpersprache veränderte sich. Normalerweise darf ihr Hund mit an die Tür, sodass er Gäste begrüßen und beschnüffeln kann. Bekommt die Familie »problematischen« Besuch, wird der Hund aber am Halsband festgehalten. Mit ihrem Verhalten gibt die Halterin dem Hund unbewusst Signale, dass eine vermeintliche Gefahr vor der Tür wartet – der Hund spannt sich quasi genauso an wie sein Frauchen selbst.

Außerdem ergab die Befragung des Besuchers, dass dieser als Jugendlicher von einem Hund gebissen wurde und eine Angst vor Hunden entwickelt hat, die sich ebenso in seiner Körpersprache ausdrückt. Besucht er die Familie, zeigt also auch er eine Verhaltensweise, die den Hund merken lässt, dass der Mann ein hohes Stressniveau hat. Der Besucher bringt eine gewisse Unruhe mit, die der Hund wahrnimmt. Die Verhaltensweisen der Menschen verunsichern den Hund. Diese Unsicherheit führt zu Stress, welcher letztlich zu aggressivem Verhalten führt.

Was sind mögliche Ursachen?
Zu den genannten Auslösern gibt es aber noch weitere Faktoren, die ein solches Verhalten eines Hundes begünstigen. Zum einen sind das die Rasseeigenschaften als solches, z. B. hat ein ausgewiesener »Wachhund« mit starkem Territorialverhalten eher einen Hang zu solchen Verhaltensweisen, als andere Rassen. Grundsätzlich ist es völlig normal, dass ein Hund territorial reagiert. Darüber hinaus ist es bei solchen Problemen hilfreich, sich den üblichen Tagesablauf des Hundes anzuschauen. Im beschriebenen Fall waren einige Stressfaktoren im Tagesablauf des Hundes festzustellen, u. a. eine »Alleinseinsangst«, ebenso intensive Beschäftigungsspielchen über deutlich zu lange Zeiträume hinweg. Unklare Signale der Halter und familiärer Stress taten ihr übriges. Eine so verursachte angespannte Grundstimmung trägt stark zum Verhalten eines Tieres bei. Für den Hund wird es mit zunehmendem Stresspegel schwieriger, mit solchen Situationen zurechtzukommen. Der Hund versucht, die Situation zu lösen – auf seine natürliche territoriale Weise.

Was kannst du als Hundehalter tun, wenn dein Hund bei Besuchen ähnlich reagiert?

Schritt 1: Management
Bedeutet, die Situation zu entschärfen. Zunächst solltest du dich selbst entspannen, deine Nervosität runterfahren. Die Situation kannst du außerdem entschärfen, indem du den Hund in einen anderen Raum bringst und die Tür schließt, wenn es klingelt. Das Wegsperren sollte aber ebenfalls ruhig ablaufen, damit der Hund dadurch nicht weiter gestresst wird. Alternativ kannst du deinen Hund auch an die Leine nehmen. Insbesondere dann, wenn auch der Besucher selbst die Situation durch seine Angst und Nervosität bestärkt, ist Gefahrenabwehr und Management höchstes Gebot.

Schritt 2: Entspannung
Entspanne deinen Hund. Und das sollte nicht nur in der jeweiligen Situation oberste Prämisse sein, sondern im gesamten Leben des Hundes. Überflüssige Stressoren darf man aufspüren und aus dem Leben des Hundes entfernen.

Schritt 3: Klarheit
Als Halter solltest du dir überlegen, wie ein Begrüßungsprozess in Zukunft ablaufen soll. Darf der Hund den Besuch begrüßen und beschnuppern? Soll er in seinem Körbchen entspannt warten? Welches Verhalten möchtest du bei dem Hund sehen?

Schritt 4: Verhaltensformung
Wenn du das weißt, kannst du es entsprechend formen. Wie dir das gelingt, kannst du im Blog »Das Leben mit Hund habe ich mir einfacher vorgestellt« nachlesen. In meinem nächsten Blog erzähle ich dir zudem, wie ein Klingeltraining konkret funktionieren kann.