Endlich entspannt Besuch empfangen

Wenn es an der Tür klingelt und du Besuch bekommst, regt sich dein Hund immer auf, bellt, springt deinen Besuch an oder zeigt sogar aggressives Verhalten? In meinem letzten Blog habe ich bereits beschrieben, wie du die Situation in drei Schritten entschärfen kannst.


Schritt 1: Management
Zunächst solltest du dich selbst entspannen, auch wenn es nicht ganz leicht ist. Bist du nervös, merkt das natürlich auch dein Hund und ist verunsichert. Nimm deinen Hund an die Leine oder bringe ihn sogar in einen anderen Raum, wenn du Besuch begrüßen möchtest.

Schritt 2: Klarheit
Überlege dir, wie die Begrüßung von Besuchen künftig für euch ablaufen soll. Findest du es okay, wenn dein Hund deine Besucher begrüßt, beschnuppert oder sogar anspringt? Oder soll er in seinem Körbchen warten, bis du ihn rufst? Welches Verhalten möchtest du bei deinem Hund sehen?

Schritt 3: Verhaltensformung
Wenn du das weißt, kannst du Verhalten entsprechend formen. Zum Beispiel über gezieltes Klingeltraining mit Musterunterbrechung. Bedeutet, wenn es an der Tür klingelt, machst du nicht das, was du immer tust. Du durchbrichst gewohnte Muster. Das kannst du mit deinem Partner oder Freunden trainieren.

Ein Beispiel für Klingeltraining
Lass jemanden an der Tür klingeln und bleibe einfach sitzen. Beim nächsten Klingeln stehst du auf, gehst eine Runde um den Tisch und setzt dich wieder hin. Wenn es nach ein paar Minuten wieder klingelt, machst du dir einen Kaffee oder liest Zeitung. Zeige jedes Mal ein anderes Verhalten und zwar so lange, bis der Hund merkt, dass nicht mehr das passiert, was er erwartet und gewohnt ist, wenn es klingelt.

Dein Hund weiß dann irgendwann nicht mehr, was los ist, jammert und jault vielleicht. Das ist in diesem Fall ein Zeichen dafür, dass das gewohnte neuronale Muster aufgebrochen wird. Zu genau diesem Zeitpunkt ist es möglich, eine andere neuronale Vernetzung im Gehirn des Hundes anzulegen.

Neues Verhalten kann dann zum Beispiel sein, dass du ihm – sobald das Türklingeltraining fortgesetzt wird – das Signal gibst, sich auf sein Körbchen zu legen. Dieses Signal darf natürlich in den Wochen zuvor gut aufgebaut worden sein. Mit dem Befehl »Körbchen« legt man eine neue neuronale Vernetzung an. Aber Vorsicht, diese ist noch nicht stabil. Der Hund wird das alte Verhalten am nächsten Tag vermutlich wieder zeigen. Ich empfehle meinen Klienten daher immer dieses Vorgehen mindestens an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchzuführen. Die Wahrscheinlichkeit steigt dann, dass der Hund beim Klingeln ganz automatisch sein Körbchen aufsucht. Das Klingeln ist dann sozusagen ein neu-konditionierter Reiz, der den Hund nicht zur Tür, sondern in sein Körbchen gehen lässt.

Das neue Verhalten deines Hundes kannst du natürlich auch jedes Mal belohnen. Du wirst sehen, dass dein Hund in Zukunft nicht mehr »ausrastet«, wenn es an der Tür klingelt und du kannst ganz entspannt deinen Besuch begrüßen.

Man darf dabei allerdings auch nicht vergessen, dass der Prozess an dieser Stelle nicht zwingend endet, denn wenn dann in der Real-Situation ein Gast das Haus betritt, ist eine ausgeprägte Territorialität nicht ausgeschaltet. An der Stelle setzt dann wieder die Verhaltensformung mit der Vorüberlegung an, was du als Halter gerne haben möchtest. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass der Hund als Familienmitglied vielleicht auch das Bedürfnis hat, Gäste begrüßen zu wollen, um damit seinen inneren Druck abzubauen und für ihn Sicherheit und Vertrauen herzustellen. All das darf in deine Überlegungen und in die Verhaltensformung einfließen.

Gerne helfe ich dir beim Training und unterstütze dich mit weiteren Tipps. Melde dich doch einfach bei mir!