Hör auf zu glauben, du wüsstest, was dein Hund denkt!

Ein Hundehalter postet in den sozialen Medien ein Bild seines Vierbeiners und legt ihm im Kommentar Wörter in den Mund. Ein Mann steht unter Beobachtung eines Wolfsrudels und fragt sich, was Meister Isegrim wohl über ihn denkt. Doch Caniden können weder sprechen noch denken sie über uns nach – zumindest nicht in der Art, wie wir es tun. Der Titel dieses Blogs „Hör auf zu glauben, du wüsstest, was dein Hund denkt“ mag etwas überspitzt klingen. Aber vielleicht helfen dir diese Zeilen auch, deinen Hund ein wenig besser zu verstehen. Dazu möchte ich dir zunächst unsere Denke etwas näher bringen …


Wie verhält sich der Mensch? Wie denkt er?

In unserer Umwelt sammeln wir unentwegt Eindrücke, die als Informationen in unserem Gehirn abgespeichert werden und Gedanken formen. Diese Gedanken lösen Emotionen aus und führen zu einem bestimmten Verhalten. Doch immer wieder erlebe ich Menschen, die versuchen, ihr Verhalten rational zu begründen. Meiner Ansicht nach aber kann das nicht gelingen, weil wir emotionale Wesen sind – ebenso wie unsere Vierbeiner.

Was uns von den Hunden unterscheidet, ist die Art des Denkens. Wenn wir nachdenken, wägen wir ab, sinnieren über das Wenn und Aber, sind praktisch im Gespräch mit uns selbst – und das permanent. Was wir zu uns selbst „sagen“, beeinflusst natürlich auch unser Verhalten. Häufig haben sich dabei Sätze anderer aus unserer Kindheit als Glaubenssätze verankert. Darüber hinaus haben wir (auch) im Gespräch mit uns selbst Bilder im Kopf – und wenn wir genau hineinspüren, sogar Gerüche, einen Geschmack und vor allem Emotionen. So fühlen wir uns beispielweise, wenn wir an ein schönes Erlebnis denken, tendenziell besser.

Das Wort – der Gegenstand – die Emotion

Mit unserer Sprache können wir die Welt beschreiben und interpretieren – und sie beeinflusst, wie wir denken, weil wir es in Worten tun, verbunden mit Bildern, Sinnes-Vorstellungen und Emotionen. Und hier liegt der große Unterschied zu unseren Vierbeinern. Ein Beispiel: Wenn ich jemandem mein Auto näher beschreibe, hat er ein Bild davon und kann es mit dem realen Gegenstand verknüpfen. Ein Hund kann das nicht. Wohl aber kann er es mit einer Emotion verknüpfen, wenn er darauf konditioniert ist, bzw. es in einem immer wieder gleichen Kontext gehört hat. Sage ich „Auto fahren“ läuft mein Rüde freudig zur Tür, weil er es mit gemeinsamer Zeit mit mir verknüpft, während meine Hündin die „Flucht ergreift“, da die Autofahrt ihr negative Emotionen macht. Doch keiner der Hunde verknüpft das Auto direkt mit dem realen Gegenstand.

Hunde leben im Hier und Jetzt

Hunde denken nicht an die Vergangenheit, können nicht in schönen Erinnerungen schwelgen und planen nicht für die Zukunft. Was Hunde können, ist auf ihre Erfahrung oder vielmehr ihre Emotion zurückgreifen, wenn eine Situation entsteht, die sich mit einer Situation aus der Vergangenheit deckt. Da reicht manchmal auch nur ein Wort, wie in dem Beispiel „Auto fahren“ erläutert. Ein Hund lebt immer im Hier und Jetzt.

Hunde „verstehen“ – fühlen statt denken

Darüber nachzudenken, was dein Hund denkt, ist sinnlos. Was du tun kannst, ist deinen Hund zu „lesen“. Denn: In seiner Körpersprache, der Gestik und der Mimik sowie in seinen Lauten drückt er seine Emotionen aus und diese stehen immer im Zusammenhang mit seiner Umwelt im Hier und Jetzt. Geh weg von dem „Geplapper“ in deinem Kopf, in die Stille und versuche, dich in seine Welt hineinzufühlen. Das ist die Herausforderung! Und wer weiß; vielleicht lernst du auch etwas über dich. Schließlich bist du ein wichtiger Teil seiner Welt.

Brauchst du Unterstützung dabei, deinen Hund zu verstehen, kannst du mich gerne kontaktieren(Link zu Kontaktformular)!