Teil 1: Die verschiedenen Entwicklungsphasen eines Hundes

Nicht nur für Hundezüchter oder Hundehalter, die einen Hund im Welpenalter aufnehmen möchten, ist es wichtig, die frühen Entwicklungsphasen eines Hundes zu kennen. Denn schon in den ganz frühen Phasen werden die Grundsteine für die Entwicklung und das spätere Verhalten eines jeden Hundes gelegt!


Die Entwicklung des Hundes beginnt bereits vor der Geburt im Mutterleib, dort wird der Welpe auf die Welt vorbereitet. Das ist die vorgeburtliche Entwicklungsphase. Geht es der Mutterhündin gut, gilt das in der Regel ebenso für den Welpen. Auch in seinem späteren Leben hält sich die Balance zwischen Stress- und Antistresssystem am besten, wenn diese schon während der Trächtigkeit der Mutterhündin die Waage hält.

In welcher Umwelt müsste sich eine Mutterhündin bewegen, damit sie und ihre Welpen entsprechend gut vorbereitet sind?

In den ersten Wochen der Trächtigkeit, aber auch später in der fortgeschrittenen Phase, sollte die Hündin soweit wie möglich einen normalen Alltag haben. Immer gemessen an dem, wozu sie körperlich bequem in der Lage ist. Es darf gerne alles so bleiben, wie sie es gewöhnt ist, nur in angepasster Form, je nach körperlichen Fähigkeiten der Hündin.

Wichtig ist eine enge Anbindung an die Familie, die Hündin sollte sich sozial geborgen fühlen. Kuscheleinheiten mit den Bezugspersonen sind dabei sehr wertvoll. Aber sie soll weiterhin aktiv an dem Leben teilnehmen können und auch kleine Abenteuer erleben. Beim Spielen gilt ebenfalls - gut ist, wozu die Hündin von sich aus bereit ist. Sie spürt ja selber, was geht und was nicht.

Worauf muss man achten, wenn die Welpen zur Welt gekommen sind?

In der Neugeborenen-Phase können Hunde Berührungen und Temperaturunterschiede gut wahrnehmen. Insbesondere in den ersten ein, zwei Wochen können sie ihre eigene Temperatur noch nicht gut regulieren. Sie haben die angeborene Tendenz, sich immer dahin zu orientieren, wo es warm ist, wo sie die Mutterhündin wahrnehmen. Haben die Welpen die Mutterhündin mal verloren, kriechen sie im Kreis mit pendelnden Kopfbewegungen, immer auf der Suche nach dem Wärmereiz der Mutter oder ihrer Geschwister.

Wenn die Welpen alle auf einen Haufen kriechen, weil sie frieren, kann man auch eine externe Wärmequelle in Form einer Wärmelampe dosiert anbieten. Ob man das braucht kommt ganz darauf an, wo die Welpen aufwachsen. In der Regel ist das aber überflüssig, da sich gerade in den ersten Tagen die Mutterhündin, bis auf wenige Ausnahmen, in unmittelbarer Nähe zu den Welpen aufhält. In einer idealen Umgebung braucht man keine zusätzliche Wärmelampe.

Generell brauchen Welpen sehr viel Körperkontakt zur Mutterhündin. Wenn sie sich in der Neugeborenen-Phase weich, warm und umsorgt fühlen, entwickeln sie genug Rezeptoren für ihr Antistresssystem. Sie entwickeln genug Oxytocin-Rezeptoren. Wichtig ist das Erleben von Sicherheit und Geborgenheit.

Wenn sie dann doch mal vom Gesäuge wegrollen oder sich selbst entfernt haben und sich wieder zurückorientieren müssen, erleben sie winzig kleine Stressphasen, die ebenfalls wichtig sind. Denn dadurch wird das Stresssystem stimuliert. Gar kein Stress wäre aber auch nicht gut.

Ab etwa der dritten Lebenswoche, in der Übergangsphase, verändern sich die Wahrnehmungskanäle eines Hundes und das Sehvermögen setzt langsam ein.

Bereits nach 14 Tagen kann man beobachten, dass bei Welpen die Augen aufgehen. Diese sind dann aber noch nicht sofort funktionsfähig: Erst durch Lichtreize, die von außen auf die Augen treffen, reifen diese heran und es entwickeln sich Nervenverbindungen im Gehirn.

In der Übergangsphase beginnen die Welpen allmählich, ihre Umgebung zu erkunden und sich allmählich zu optischen Reizen hin zu orientieren. In dieser Phase fangen sie außerdem mit sogenannten Schnauzenaktivitäten ihren Geschwistern gegenüber an. Das sind erste Ansätze von Spiel-Beiß-Bewegungen. Nach und nach kann man ihnen bewegliche Gegenstände oder Spielzeug anbieten, um dieses Verhalten weiter zu fördern. Natürlich angepasst, an ihre augenblickliche Leistungsfähigkeit!

Wenn die Kleinen beginnen richtig zu Krabbeln und sich nach und nach immer besser fortbewegen, kann man auch verschiedene Untergründe anzubieten. Wenn die Welpen vorher z. B. viel auf Handtüchern gewesen sind, können sie jetzt auch mal einen glatten Untergrund erforschen.

Generell ist es wichtig, den kleinen Hündchen die Möglichkeit zu gebe, in Ruhe die Umgebung zu erkunden und dem nachzugehen, was für sie gerade gut ist. Dazu ist es natürlich essenziell, die Welpen zu beobachten. Und wenn sie anfangen, sich etwas zu entfernen, dann sollen sie das auch dürfen.

Im nächsten Blog erfährst du mehr über die weiteren Entwicklungsstufen eines Hundes.