Teil 1: Vom Wolf zum Hund - was Hunde wirklich brauchen

Was hat der Hund noch Wölfisches? Und wie kann man den Hund im Tagesablauf am besten bewegen, was kann man ihm Gutes tun, dass er ein ausgeglichenes Leben führt?


Ist es letzten Endes nur Wortklauberei? Ist der Hund ein Wolf oder ist er keiner mehr? Fakt ist: Rein biologisch gesehen, ist er noch nicht weit genug vom Wolf weg, um ihn als eigene Art zu klassifizieren. Offiziell wird der Haushund als eine Unterart vom Wolf klassifiziert. Das bedeutet eigentlich nichts weiter, als dass der Haushund ein Wolf ist, der an den Lebensraum Mensch angepasst ist.

Wie verhält sich ein Wolf, um in ein physisches und psychisches Gleichgewicht zu kommen? Und was davon sollten wir unseren Hunden für ein ausgeglichenes und harmonisches Leben zukommen lassen?

Manche Mythen halten sich hartnäckig …

Zum Beispiel im Rudelverhalten mit Leittieren muss man zwischen Wölfen und Hunden gigantische Unterschiede machen. Der Hund ist soweit an den Lebensraum des Menschen angepasst, dass er in manchen Bereichen auch Unterschiede zum Wolf hat.

Wölfe sind gar keine Rudeltiere!
Das ist einer der größten Irrtümer. Wölfe leben nicht in Rudeln, sie leben in Familien. Weil das mit Führung zu tun hat, ist das Thema oft Gegenstand in Hundetrainings – und wird meistens eben falsch vermittelt.

Es geistert ja auch immer noch die Annahme durch die Gegend, dass, wenn man dem Hund zu viel Spielraum lasse, er in der Familie das Alphatier spielen und die Führung übernehmen wolle. Das ist Unfug. Also eine Wolfsfamilie besteht erst mal aus Mutter und Vater, die eine Familie gründen. Die kriegen jedes Jahr Welpen und diese helfen im nächsten Jahr bei der Aufzucht ihrer Geschwister.

Zu Führen und die Richtung vorzugeben sind Dinge, an die sich unsere Haushunde gewöhnt haben. Der Mensch gibt die Richtung vor, Wölfe latschen sich eigentlich nur selten hintereinander her. Junge Wölfe folgen ihren Eltern freiwillig, um was zu erleben.

Außerdem ist es genügend untersucht worden, dass sich Wölfe nicht mit fremden Individuen zusammentun und dann Rangordnungen bilden. Das sind grundsätzlich Familien. Aber dieses strenge militärische Denken, wie wir Menschen das haben, das kennen Wölfe eigentlich nicht – und Hunde auch nicht.

Was macht denn ein Wolf den ganzen Tag über?
Wenig. Hunde wie Wölfe – wie auch Menschen – werden von ihrem Hormonsystem gesteuert. Es gibt Stresshormone, die uns am Laufen halten, die dafür sorgen, dass wir kämpfen oder flüchten und überhaupt aktiv sein können. Stresshormone sind aber anstrengend und belasten den Körper. Dann gibt es Hormone, die dagegenwirken, die uns wieder entspannen. Wölfe gestalten sich ihr Leben so, dass sie sich immer neurologisch und hormonell ausgleichen. Ein Wolf muss mal kämpfen, sein Revier vor Eindringlingen verteidigen und er muss sich Nahrung besorgen. Da werden Stresshormone ausgeschüttet, denen Wölfe dann wieder entgegenarbeiten mit Ruhe. Ein Wolf schläft so in etwa 20 Stunden am Tag. Er liegt rum und macht nichts, um sein Hormonsystem auf einem vernünftigen Level zu halten.

Gleiches gilt auch für Füchse und für freilebende Hunde oder etwa Bauernhunde. Die liegen die meiste Zeit des Tages einfach rum, gucken in der Gegend rum, entspannen sich, schlafen viel und überbeanspruchen ihren Geist und ihren Körper nicht. Das bedeutet, es ist absolut normal, wenn ein Haushund zwischen 15 und 20 Stunden am Tag schläft oder zumindest ruht. Im Idealfall können sich Hunde ihre Ruheplätze selbst aussuchen.

Im nächsten Blog erfährst du unter anderem, was es mit dem Jagd- und Spielverhalten von Wölfen und Hunden auf sich hat und du erhältst Tipps, mit denen du den Tagesablauf eines Wolfs in den deines Hundes übertragen und somit das Stresslevel deines Hundes ausgleichen kannst.