Teil 2: Die verschiedenen Entwicklungsphasen eines Hundes

Im ersten Blog zu den Entwicklungsphasen eines Hundes ging es um die Entwicklungsschritte, die ein Hund vom Mutterleib bis hin zu den ersten Wochen als Welpe durchmacht. Seine Kindheit sozusagen. Im zweiten Teil geht es um die Jugend eines Hundes - inklusive Pubertät natürlich …


Nachdem Welpen allmählich ihre Umgebung erkunden, beginnt ab etwa der vierten Lebenswoche die sogenannte sensible Phase, häufig auf Prägephase genannt. Diese reicht etwa bis zur 18. Lebenswoche. In dieser Zeit ist es wichtig, den Hund mit möglichst vielen Reizen zu stimulieren. Allerdings ist auch hier das Maß entscheidend – Volksfest, U-Bahn-fahren und ins Restaurant gehen sollte nicht alles an einem Tag geschehen.

In der Prägephase geht es nicht darum, dem Welpen die gesamte Welt zu zeigen, sondern seine Sinnesorgane und die Auseinandersetzung mit der Welt zu trainieren – in einem Maß, dass der Hund auch verarbeiten kann.

Es geht darum, dem Hund Erlebnisse anzubieten mit anderen Hunden und mit verschiedenen Menschen. Und es geht darum, dem Stresssystem Situationen anzubieten, die für den Hund ein bisschen verwunderlich oder ein bisschen unangenehm sind. Der Hund kann dadurch entdecken und lernen, dass er diese Situationen dennoch gut »übersteht«. Sein Antistresssystem wird stark gemacht und der Hund versteht: „Egal, was um mich herum passiert, bei meinen Leuten kann ich mich entspannen.“

Zentral ist dabei der Erholungs- und Entspannungseffekt. Wird dieser vernachlässigt, kann der Hund im adoleszenten Alter sehr »hibbelig« und aufgedreht sein. Hunde sollten von Anfang an lernen, dass Entspannung auch ein großer Genuss sein kann.

Dabei ist die Mutterhündin immer noch wichtig, weil die Welpen Verhalten durch Beobachtung und Nachahmung – man spricht hier von Tradition – lernen. Wie die Mutter auf Umgebungsreize reagiert, z. B. wenn etwas herunterfällt und laut knallt, ist in dieser Zeit wegweisend.

Und dann kommt der Hund in die Pubertät. In der Phase des Heranwachsens ist jeder Hund anders. Ähnlich wie beim Menschen sind manche völlig »unproblematisch« und andere wiederum richtig »nervig«. Da muss man einfach durch.

Ungefähr um den 5. Monat herum wird das Spiel gröber, köperbetonter und es wird auch mehr »aufgeritten«. Das hängt damit zusammen, dass die Geschlechtshormone auftauchen. In dieser Zeit befindet sich das Gehirn im Umbau. Und dazu gehört auch, dass sie auch Frustrationserlebnisse brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Die Welpen sind aber nicht gut in der Lage, sich das auch zu merken. Unsere Aufgabe als Menschen ist dann, Grenzen zu setzen und das Ausmaß dieser Grenzen zu bestimmen – und das immer wieder zu wiederholen.

Nach der Pubertät kommt die Geschlechtsreife des Hundes. Das kann je nach Hund und Rasse sehr unterschiedlich sein und sich in einem Alter zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren abspielen. Bei Rüden erkennt man die Geschlechtsreife z. B. daran, dass sie beginnen ihr Beinchen zu heben. Bei Hündinnen können in dieser Zeit Angstphasen auftreten. Und generell interessieren sich Hunde mit der Geschlechtsreife stärker für ihre Artgenossen.

In den USA ist es teilweise üblich, die Tiere in dieser Reifephase frühzeitig zu kastrieren oder sogar noch vor Erreichen der Geschlechtsreife. Es gibt leider viele Hundehalter, die einen »fertigen« Hund haben möchten. Aber Körper und Gehirn der Tiere brauchen die Geschlechtshormone für den eigenen Reifungsprozess. Dieser Prozess wird durch eine Kastration zwar nicht komplett unterbrochen, aber zu einem großen Teil schon beeinträchtigt.

Im nächsten Blog erfährst du mehr über die weiteren Entwicklungsstufen eines Hundes.