Teil 2: Vom Wolf zum Hund - was Hunde wirklich brauchen

Auch wenn es viele Unterscheide gibt, Hunde sind Wölfen ähnlicher, als du vielleicht denkst. In deinem Hund steckt auch immer noch ein kleiner Wolf. Daher ist es sinnvoll, sich das Verhalten und den Tagesablauf eines Wolfes mal genauer anzuschauen, um herauszufinden, was Hunde wirklich brauchen.


Jagdverhalten nicht überbewerten
Das Jagdverhalten ist eigentlich ein Verhalten, welches auf Reiz abgerufen wird. Das ist kein Bedürfnis. Ein Bedürfnis ist die Nahrungsaufnahme, nicht aber das Jagen. Jagen ist letztendlich nur eine Hilfe, um das Bedürfnis Fressen zu befriedigen.

Es gibt Hunde mit einer sehr niedrigen Reizschwelle, bei denen wird das Jagdverhalten schneller ausgelöst. Aber auch die müssen nicht Jagen, um glücklich zu sein. Viele versuchen mit Spielchen ihre Jagdhunde müde zu machen und ihr angebliches Jagd-Bedürfnis zu befriedigen, letztlich setzt man damit aber die Reizschwelle nur noch weiter runter. Irgendwann werden die Hunde wie irre, sind frustriert, werden aggressiv usw., weil man sie falsch beschäftigt. Apportierspiele, Bällchen oder Stöckchen werfen, sind dann eher kontraproduktiv und haben den Effekt, dass sich die Impulskontrolle und Reizschwelle negativ entwickeln.

Spielen Hunde eigentlich von Natur aus?
Spielen ist letztendlich von der Natur aus gesehen ein Vorbereiten, ein Training von Fähigkeiten, die später im Erwachsenenleben gebraucht werden. Hundewelpen jagen sich beispielsweise gegenseitig, um das Sozialverhalten zu üben. Wie weit kann ich am anderen rumknabbern, bis es wehtut und so weiter.

Ein erwachsener Wolf spielt relativ selten, nämlich nur dann, wenn er genügend Nahrung hat. In Zeiten von Nahrungsknappheit spielen erwachsene Tiere nicht, weil das Energie kostet. Unsere Hunde haben immer Energie, spielen auch durchaus, wenn sie erwachsen sind.

Wenn sie spielen ist es aber kein Bedürfnis, sondern sie machen es aus Langeweile. Spielen kann aber auch ein Beschwichtigungssignal sein. Zum Beispiel, wenn ein Hund auf einen anderen trifft und sich unsicher ist und nicht genau weiß, wie auch der andere Hund reagiert. Dann zeigt er erst mal Spielverhalten. Das zeigt immer: "Ich tue dir nichts, ich will dir nichts Böses".

Umgang mit Artgenossen
In dem Zusammentreffen mit anderen Artgenossen unterscheidet sich der Hund stark vom Wolf. Das Territorialverhalten eines Wolfes ist deutlich ausgeprägter, außer zur Paarung duldet er in seinem Revier keine anderen Artgenossen. Durch die Domestikation kommen Hunde mit Artgenossen deutlich besser klar als Wölfe. Das bedeutet aber nicht, dass Hunde andauernd mit anderen Hunden spielen möchten. Wenn man wieder Straßenhunde als Beispiel nimmt, leben die oft relativ nah beieinander, interagieren aber nicht miteinander. Sie gehen sich eher aus dem Weg. So wie ein Mensch, der durch die Stadt läuft, nicht auf jeden Menschen direkt zugeht und mit ihm spielt oder anfasst oder dergleichen. Und das machen Hunde auch, wenn sie selbstbestimmt leben können. Denn ein Hund kann auch mit anderen Hunden gut klarkommen, die nicht zu seiner Familie gehören. Die Betonung liegt aber eher auf ‚kann' …

Jeder Hund hat einen gewissen Tagesablauf und braucht viel Ruhe. Auch jeder Jagdhund oder jeder Husky braucht seine 20 Stunden Ruhe am Tag. Und wenn man das den Hunden nicht gönnt und sie zu viel Stress haben, dann entgleist oft das Hormonsystem. Das äußert sich in vielerlei Hinsicht, zum Beispiel in Hyperaktivität, Leinenaggression oder starke Aggressionen anderen Hunden gegenüber.

Wenn du also für dich und deinen Hund Stress vermeiden möchtest, solltest du folgende 5 Punkte beachten:

  • Entspann dich.
    Du brauchst nicht den Rudelführer oder Leitwolf spielen. Sei ganz entspannt. Die Hauptfähigkeit des Hundes ist nämlich, sich anzupassen. Er passt sich an uns an und folgt dir. Wenn du krampfhaft einen auf Führer machen möchtest, geht das in fast allen Fällen schief. Der Hund will nicht die Welt erobern, sondern er will sich uns anpassen. Wir müssen ihm auch die Möglichkeit dafür lassen.
  • Entspanne deinen Hund.
    Beachte außerdem eine richtige und sinnvolle Auslastung des Hundes. Überfordere deinen Hund nicht mit zu viel Auslauf, Trainings oder Spielchen. Integriere lieber den wölfischen Tagesablauf ein Stück weit in das Leben deines Hundes. Bedeutet: viel Ruhe.
  • Belohne deinen Hund.
    Belohnung führt dazu, dass sich dein Hund wohlfühlt, Selbstvertrauen aufbaut und dadurch sein Hormonsystem in Ausgleich kommt.
  • Kuschel mit deinem Hund.
    Bei freundlichem Körperkontakt, also beim Streicheln und Kuscheln, schüttet der Hund Oxytocin - auch als "Kuschelhormon" bekannt - aus und es entwickelt sich eine engere Bindung zwischen dir und deinem Hund.
  • Unternehmt gemeinsam Streifzüge.
    Die gemeinsamen Streifzüge - bevorzugt an der Leine - durch das Revier sind wichtig für deinen Hund. Lass deinen Hund ruhig schnüffeln. Nasenarbeit ist wichtig für Hunde! Auch Markieren sollte erlaubt sein. Markieren ist wichtig für das Selbstvertrauen und fördert damit ruhiges und ausgeglichenes Verhalten.