Teil 3: Die verschiedenen Entwicklungsphasen eines Hundes

Im letzten Teil der Reihe über die unterschiedlichen Entwicklungsphasen eines Hundes geht es um das Erwachsenenalter der Tiere. Auch dann ist der Reifeprozess noch nicht vollends abgeschlossen und es gibt spannende Entwicklungen, auf die sich Hundehalter einstellen dürfen.


Die meisten Haushunde erreichen das Erwachsenenalter mit etwa zwei Jahren. Allerdings gibt es je nach Rasse Unterschiede: Manche Rassen sind in ihrer Entwicklung langsamer als andere. Auch die Größe beeinflusst den Reifeprozess. Je kleiner die Rasse, desto schneller entwickeln sich die Hunde und erreichen schneller ihre »Endgröße«. Der Wachstumsprozess wirkt sich auf die anderen Reifeprozesse aus, die ich in den vorherigen Blogs beschrieben habe, sodass kleinere Hunde beispielsweise auch schneller geschlechtsreif werden.

Generell gilt, dass Hunde gelassener und ausgeglichener sind, je älter sie werden. Mit dem Erwachsenenalter beginnt aber auch die Ausprägung des Territorialverhaltens.

Das Territorialverhalten ist ein Normalverhalten von Hunden. Das bedeutet, dass es z. B. okay ist, nicht per se alle Fremden oder andere Hunde im Haus – in seinem Territorium – zu akzeptieren. Spannend ist es zu sehen, wie sich Hunde außerhalb ihres angestammten Kernterritoriums verhalten. Wie sozialverträglich agiert der Hund mit anderen? Hunde mit einem sogenannten gefestigten Charakter sind anderen Artgenossen gegenüber meist toleranter.

Wenn dein Hund schon älter ist und sich nicht gut mit anderen Hunden verträgt, ist das aber kein Grund zum Verzweifeln. Auch im Erwachsenenalter lässt sich soziales Verhalten noch weiter trainieren. Mein Tipp: Spazieren gehen. „Spielen“ ist natürlich eine Möglichkeit, aber wenn man das Sozialverhalten fördern möchte, ist es effektiver, Spaziergehpartner zu finden und mit anderen Hunden gemeinsam spazieren zu gehen. Denn beim Spaziergang erleben die Hunde gemeinsam viel mehr Situationen wie z. B. Konflikte und Konfliktlösungen.

Wenn ihr bei einem Spaziergang auf einen anderen Hund trefft und du in der Begegnung schon merkst, dass beide Hunde miteinander harmonieren, kannst du mit dem Hundehalter und dessen Hund ein paar Minuten gemeinsam in dieselbe Richtung gehen. Das trainiert bereits das soziale Verhalten der Hunde. Generell würde ich raten, beim Zusammentreffen mit anderen nicht unbedingt stehen zu bleiben. Entstehen dann nämlich Spannungen, fällt es den Hunden schwerer, diese zu entzerren. Mein Tipp: Immer in Bewegung bleiben und dem Hund möglichst viele verschiedene Begegnungspartner anbieten und dabei eine Distanz wahren (und wenn es 200 Meter sind), bei der der Hund noch ruhig und ansprechbar ist.

Wenn dein Hund einen anderen Artgenossen und dessen Halter begrüßt, beschnuppert und sich dann aber der Situation wieder abwendet, kann ich empfehlen, mitzugehen und sich ebenfalls abzuwenden. Mein Tipp: Wann immer der Hund eine Situation verlässt – Loben. Weggehen ist eine gute Strategie zum Konfliktlösen.

Irgendwann ist ein Hund aber nicht mehr nur erwachsen, er wird auch »alt«. Das ist für Hundehalter eine wichtige Zeit, denn mit dem Alter des Tieres verändern sich seine Bedürfnisse.

Zunächst kommen Hunde in die »komfortorientierte Phase«. Das kann mit acht oder zehn Jahren der Fall sein. Das ist abhängig von der Lebenserwartung der jeweiligen Rasse. In dieser Phase – circa ein bis zwei Jahre – will der Hund überwiegend schlafen und braucht gewisse Routinen.

Die Leistungsfähigkeit nimmt ab und nach langen Spaziergängen, Wanderungen oder Hundesport braucht dein Hund längere Pausen, um sich zu erholen. Daher ist es wichtig, die Aktivitäten an die Leistungsfähigkeit des Hundes anzupassen. Das heißt aber nicht, gar nichts mehr zu machen, der Hund sollte in angepasstem Maße schon in Gang bleiben – das gilt auch für die geistigen Fähigkeiten. Hunde brauchen zwar Routinen, sollten aber lebenslang weiter gefördert werden. Mein Tipp: Z. B. hin und wieder die Spazierwege leicht variieren.

Nach der komfortorientierten Phase kommt die sogenannte Greisenphase. Die hört sich schlimmer an, als sie ist. Aber: In dieser Zeit geht bei manchen Hunden die Stubenreinheit verloren. Das ist nicht unbedingt schlimm, mittlerweile gibt es Windeln für Hunde und bei manchen Hunden lässt sich die Stubenreinheit sogar wieder neu trainieren.

Es ist normal, dass ab dem höheren Alter dann auch die Sinnesorgane schlechter werden. Als Halter kannst du dich aber gut darauf einstellen. Durch die Abnahme der Sinnesfähigkeiten kann es passieren, dass dein Hund unsicherer wird. Z. B. weil er andere junge Hunde, die sehr wild sind, schlechter einschätzen kann, weil er nicht mehr so gut sehen kann. Das kann dazu führen, dass er Drohverhalten zeigt.

Weiterhin kann es sein, dass dein Hund mit zunehmendem Alter nicht mehr so gerne alleine bleibt, weil er sich von deiner Anwesenheit abhängig macht, denn die Anwesenheit des Halters bedeutet Sicherheit. Wenn er dann alleine ist, kann er sich überfordert fühlen und Angst haben, dass etwas passiert, was er nicht einschätzen kann. In dieser Zeit muss man als Halter dem Hund mehr Schutz bieten. Mein Tipp: Junge, quirlige Hunde vielleicht ein Stück weit von ihm weghalten oder sogar gewisse stressige Situationen meiden.

In dieser Phase nimmt auch die Lernfähigkeit des Hundes ab, geht aber nicht komplett auf null. Selbst bei einem dementen Hund bleiben noch Reste der Lernfähigkeit da! Man kann auch noch einem 14-jährigen Hund das Apportieren beibringen – es dauert nur einfach länger als bei einem jungen Hund. Man muss sich als Halter dafür mehr Zeit lassen.

Wenn dein Hund älter wird, ist es wichtig, dass du dir die Zeit nimmst, neue Verhaltensweisen zu verstehen und dir überlegst, wie du auf die veränderten Bedürfnisse eingehen kannst. Sodass du und dein Hund auch im fortgeschrittenen Alter ein harmonisches Leben führen könnt.