Warum der Besuch in einer Hundeschule bei Verhaltensauffälligkeiten nicht immer der richtige Weg ist

Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensauffälligkeiten bzw. »Problemen« bei und mit Hunden, die das Leben zu einer wahren Odyssee machen können – von übermäßigem Bellen über obsessives Buddeln, ständiges Nachjagen von Lichtreflexen oder des eigenen Schwanzes, bis hin zu scheinbar unerklärlichen Aggressionen und Angst ist alles zu finden. Viele Hundehalter gehen mit ihren Vierbeinern dann in die Hundeschule, dort soll das »Problemverhalten« möglichst wegtrainiert werden.


Sicherlich funktioniert das auch in einigen Fällen und zwar dann, wenn sich der Hund »nur« ein unerwünschtes Verhalten angewöhnt hat. Menschen »funktionieren« da ganz genauso. Wenn wir uns z. B. angewöhnt haben, morgens bis 9 Uhr im Bett liegen zu bleiben, bedarf es einiger »Trainings«, bis wir uns auch dann wohlfühlen, wenn wir bereits um 6 Uhr aufstehen. Der Organismus darf sich daran anpassen oder auch »gewöhnen« und sich anders bzw. neu konditionieren.

Hundetraining – ja/nein?

In dem beschriebenen Fall macht ein Training natürlich Sinn – sowohl in Bezug auf den Hund als auch analog zum Menschen. Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft zufolge, übernimmt das menschliche Gehirn neues Verhalten, wenn es 21 Tage hintereinander angewendet wurde. Bei Hunden ist das ähnlich, auch sie lernen neues Verhalten sehr schnell. Das Problem ist, dass sie nicht nur gewünschtes, sondern auch unerwünschtes Verhalten lernen.

Training in einer Hundeschule kann daher Sinn machen. Muss aber nicht. Es können auch andere – unerwünschte – Nebeneffekte auftreten. Warum ist das so?

Unerwünschte Nebeneffekte von Training

Schauen wir auch da noch einmal in die Menschenwelt. Nahezu jeder Mensch zeigt Verhalten, das man rational nicht erklären kann, z. B. Rauchen, zu viel Nahrung zu sich nehmen, Alkohol trinken usw. Alle diese Dinge machen recht wenig Sinn, wir wissen sogar, dass sie uns schädigen. Dieses rationale Wissen hält uns nicht davon ab, es dennoch zu tun.

Wenn wir dann einmal genauer hinschauen, stellen wir fest, dass Menschen diese Dinge tun, weil sie sich damit in einen besseren Gefühlszustand bringen. Mit Sätzen wie „Ich brauch‘ das, um runter zu kommen“ oder „Ich brauche das zur Entspannung“ bringen sie genau das zum Ausdruck.

Ein Ventil für den Stressabbau

Nichts anderes passiert in vielen Fällen bei unseren Hunden. Sie fühlen sich nicht gut und der Organismus sucht sich quasi ein Ventil für den Stressabbau und um sich damit wieder in einen ausgeglichenen Zustand zu bringen. Bei Hunden kann man feststellen, dass diese dann eine Sequenz aus ihrem normalen Verhaltensrepertoire nehmen und diese vervielfältigen, z. B. obsessiv Buddeln oder sich Wundlecken.

Wenn man jetzt mit einem gestressten Hund eine Hundeschule aufsucht, macht man genau das Gegenteil von dem, was man tun sollte – statt Stress zu reduzieren, produziert man nur noch mehr davon.

Was sind die Auslöser für problematisches Verhalten?

Das ist quasi wie ein Eisberg. Nur 1/8 des Eisbergs liegt über der Meeresoberfläche. In unserem Fall wäre dieser Teil das »Problemverhalten« des Hundes. Die anderen 7/8, die unter der Wasseroberfläche liegen, sind für uns nicht sichtbar bzw. bringen wir die einfach nicht mit dem eigentlichen Problem in Verbindung. Es sind die Faktoren und Bereiche, die für das scheinbar irrationale Problemverhalten des Tieres verantwortlich sind. Allerdings suchen wir meist die Gründe für das »Problemverhalten« woanders.

Wir sprechen hierbei von Dingen wie z. B. Gesundheit, Fütterung, Bewegung, art- und rassespezifische Beschäftigung. Auch andere Stressfaktoren wie permanente Kommandogabe, dauerhafter Trubel durch Kinder in der Familie oder auch generell wenig Ruhe können dazu beitragen. Und wie in der Aufzählung erkennbar, ist der größte Stressfaktor derjenige, von denen der Hund abhängig ist – der Mensch.

In solch einem Fall macht der Besuch einer Hundeschule wenig Sinn, wenn es sich um Symptome/Verhalten handelt, was im ersten Blick irrational erscheint. Mein Tipp: Schau dir das Verhalten deines Hundes genau an und überlege, wie die 7/8 seines Eisbergs aussehen und was die wirklichen Auslöser sein könnten. Erst dann kannst du das Problem wirklich nachhaltig angehen, ohne, dass unerwünschte Nebeneffekte auftreten.

Wenn du Hilfe dabei brauchst, sprich mich gerne an!