Wie viel Wolf steckt noch im Hund?

Unsere Haushunde und der Wolf sind genetisch so nah aneinander, dass der Hund aus biologischer Sicht auch heute noch als eine Unterart des Wolfes gilt. Da stellt sich natürlich die Frage, wie viel »wölfische« Eigenschaften unsere Hunde heute noch haben und welches Verhalten vom Wolf abstammt. Wie viel Wolf steckt also noch in unseren Hunden?


Die Antwort ist: ziemlich viel! Der Hund hat viele Eigenschaften und Verhaltensweisen eines Wolfes in sich vereint. Dazu zählen z. B. die Territorialität, das Sozialverhalten sowie auch das Jagdverhalten. Durch gezielte Züchtung bzw. Selektion konnten und können wir diese verstärken oder »verkümmern« lassen. Daher gibt es heute Hunderassen, die z. B. exzellente Jäger oder in der Jagd sogar unterschiedlich »spezialisiert« sind: Es gibt sogenannte Vorsteherhunde, Sichthunde, Triebhunde etc.

Beim Sozialverhalten der Hunde verhält es sich ähnlich. Wenn wir das Verhalten der Hunde und seinen Ursprung verstehen, können wir es auch in unserem Sinne beeinflussen. Denn auch Hunde müssen – und das haben wir mit ihnen gemein – Sozialverhalten erlernen.

Wir Menschen lernen vieles bereits als Kinder. Die meisten Handlungen machen wir noch gar nicht zielgerichtet, sondern nur, um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlangen, die wir später als Erwachsene benötigen: Was wir uns in der Interaktion mit anderen Kindern antrainieren, übernehmen wir auch im Erwachsenenalter. Bedeutet: Das, was wir heute sind, das Verhalten, welches wir heute zeigen, haben wir uns zum großen Teil in der Kindheit angeeignet. Und bei Hunden ist das ganz genauso.

Die Frage ist: Was wollen wir von unseren Hunden?
Von alleine lernen Hunde kein Sozialverhalten nach unserem Verständnis. Schauen wir uns als Beispiel noch mal die Territorialität an. Unter Wölfen bedeutet Territorialverhalten nichts anderes als: „Hau ab aus meinem Revier, sonst knallt’s.“ Dieses Verhalten zeigen Hunde heute ebenfalls noch. Natürlich gibt es von Hund zu Hund Unterschiede – manche Hunde tolerieren andere Artgenossen in ihrem Revier, andere hingegen gar nicht. Mit Revier meine ich in diesem Fall das Kernterritorium wie z. B. das Haus, die Wohnung oder den Garten. Manchmal lassen sich Territorien auch nicht scharf voneinander abgrenzen, beispielsweise wenn zwei Gärten direkt aneinandergrenzen. Da kann es mitunter auch zu einer Feindschaft der Hunde kommen.

Wenn man sich als Hundehalter ein anderes Verhalten wünscht, darf man es den Hunden beibringen. Wichtig ist hierbei, den folgenden Grundsatz zu verstehen und zu beachten: Je öfter ein Hund etwas macht, ein gewisses Verhalten zeigt, welches nicht eingeschränkt bzw. durch kein Alternativverhalten ersetzt wird, desto mehr trainiert und verinnerlicht er das gezeigte Verhalten.

Man darf z. B. genau hinschauen, was passiert, wenn man Hunde wild »spielen« lässt. Im Welpen-Alter mag das noch als »Spielen« bezeichnet werden können, sind die Hunde erwachsen, kann daraus schnell etwas anderes entstehen. Wenn man genauer hinsieht, kann man oft Jagdsequenzen o. Ä. erkennen und jedes Verhalten, was ein Hund öfter zeigt – beim Menschen ist das nicht anders – trainiert er. Wenn man das nicht will, dann sollte man einschreiten und es in eine andere Richtung lenken. Womit wir wieder beim Formen von Verhalten wären ...