Steffen Kröber – Veränderungen für Mensch und Hund

Du möchtest Deinen Hund verstehen?

 „Zeig’ mir deinen Hund und ich sage dir, wer du bist.“ - Eigentlich ist es ganz einfach und andererseits wieder nicht. Es geht in erster Linie um Verhaltensstrukturen, basierend auf der emotionalen Lage aller Beziehungspartner, und deshalb schaue ich mir Hund-Halter-Beziehungen auch aus der Meta-Ebene an. Der Hund kommuniziert mit seinem Menschen und gibt Feedback mit seinem Verhalten, dh., sein Verhalten ist letztendlich die Kommunikation, die er führt. Dein Hund ist Teil im Leben seines Halters bzw. seiner Familie mit dessen Wünschen und Vorgaben, was auf der anderen Seite zur Begrenzung des Hundes führt. Er zeigt immer das bestmögliche Verhalten, welches ihm momentan zur Verfügung steht. Wenn er sich nicht so verhält wie du es wünscht, kann er momentan nicht anders und Du darfst ihm dabei helfen, es zu ändern und das kann bedeuten, dass du anders denken und dich verhalten darfst. So bekommt er die Chance, anders und nach deinen Vorstellungen zu reagieren. Wäre es nicht toll, wenn das Verhalten des Hundes sich weitestgehend von ganz alleine an deine Wünsche anpasst - ganz ohne ständige Kommandos geben zu müssen?

Mit meinem Hund hatte ich auch »Herausforderungen« zu meistern …

… er »funktionierte« nicht so, wie ich es wollte. Er »pöbelte rum«, hat fremde Menschen und Hunde »angemacht«, war vermeintlich aggressiv. Aber eigentlich hat er mir mit seinem Verhalten nur gezeigt: „Moment, da läuft was nicht richtig in meinem Leben.“ Ich erkannte, dass der Hund sich nur so verhielt, weil ich mich »bescheuert« verhalten habe. Um ehrlich zu sein, ich bin mit meinem Hund nicht gut umgegangen, erkannte seine Bedürfnisse nicht, habe eine Menge Druck aufgebaut und versuchte den Hund über Gehorsamkeit wie einen Roboter zu steuern.

Zudem kannte ich weder meine eigenen wahren Bedürfnisse, noch die meiner Familie. Ich hatte ein »Modell von Welt« im Kopf, was am Ende zu einer Menge Probleme führte und zwar nicht nur in dem Umgang mit Hunden, sondern auch im Umgang mit Menschen - Ne Art zu denken, ist ne Art zu denken. Und ich habe gar nicht bemerkt, was ich da genau mit meinem Umfeld anrichtet. Zum Glück war mein eigener Leidensdruck so hoch, dass ich unbedingt etwas verändern wollte bzw. musste.

Daraufhin habe ich mich intensiv mit Neurologie befasst und übe mich tagtäglich darin zu verstehen, wie das Hirn eines Hundes und auch des Menschen funktioniert. Zugegeben sind wir Menschen komplexer als Hunde - ins besonders unterscheidet uns die Sprache - doch strukturell arbeitet unser Hirn ganz genau so wie das der Hunde. Und das ist heute mein Ansatz - möchte ich herausfinden, wie eine Hund dazu kommt, dass er ein Verhalten "produziert", darf ich mir selbst erst einmal klar werden, wie ich es in unserem Kopf anstelle, dass ich ein bestimmtes Verhalten zeige.

Was mir häufig auffällt, dass viele unserer menschlichen Verhaltensweisen fern ab sind von sogenannten "rationalem" Verhalten, denke man nur einmal daran, dass Menschen rauchen, zu viel essen, Alkohol oder andere Gifte zu sich nehmen und damit ihrem Körper schaden. Und warum tun wir so etwas? Weil wir uns häufig nicht gut fühlen und dann unser Organismus Dinge tut, bei denen er gelernt hat, dass er sich (kurzfristig) gut fühlen kann.

Genauso "ticken" Hunde auch. Sie tun in jedweder Sekunde ihres Lebens das, was Ihnen bessere Gefühle/Emotionen beschert oder schlechtere Gefühle/Emotionen vermeiden lässt. Das zu erkennen ist deshalb so schwierig und schwierig, weil wir dazu neigen, die Dinge rational erklären zu wollen und Verhalten oft nicht rational ist, und immer aus einer Emotion entsteht.

Wenn ich heute eine Essenz aus meinem aktuellen Wissen über Hunde extrahieren sollte, würde ich es ungefähr so formulieren

Die EINE Wahrheit über Hunde gibt es NICHT. Jeder Hund (genau wie jeder Mensch auch) ist individuell. Alle Hinweise, die man hinsichtlich Beziehung, Zusammenleben und Training mit Hunden irgendwo erhält, können funktionieren oder eben auch nicht. Viel wichtiger als rationales Wissen und Trainingsmethoden ist, sich in seinen Hund bestmöglich hineinzuversetzen und seine Gefühlswelt empathisch zu erfassen, da diese ausschlaggebend für sein Verhalten ist. Ich darf es auch noch einmal betonen - bei uns Menschen ist es ganz genau so.

Es gibt meines Erachtens nur eine feste Zielgröße in der Beziehung zwischen Hund und Mensch: beide Partner dürfen sich so oft wie nur irgend möglich gut fühlen, also im (neurologischen, psychischen und hormonellen) Gleichgewicht sein. Und ist man als Halter nicht im Gleichgewicht, wird es der Hund tendenziell auch nicht sein, denn er passt sich bestmöglich an.

Meiner Meinung nach führt dieser nie endende Prozess in eine „echte Beziehung“ zwischen dem Menschen und seinem Hund – und zwar fern ab von Kommandos und Dressur. Ab dem Punkt, an dem ich dies für „meine Wahrheit“ definierte, wurde alles ganz leicht in der Beziehung zu meinen Hunden.

Heute darf ich mich „Hundepsychologe nach Thomas Riepe“ nennen und ich bin meinem Mentoren Thomas und Maria Hense sehr dankbar für die Erkenntnisse, die mich noch einmal einen veränderten Blick auf den Hund und mich selbst werfen lassen.

Aber den größten Erkenntnisgewinn kam durch meine NLP-Coaching-Ausbildung, in der ich verstanden habe, wie mein Geist, meine Gefühlswelt und Verhalten "funktionieren" und ich übertrage dies in die Hundewelt. Die Strukturen und Mechanismen sind gleich, die Inhalte natürlich andere. Beide Sichtweisen sind eine perfekte Kombination zur Beurteilung der Struktur einer Mensch-Hund-Beziehung.

Ich bin Jahrgang 1974 und stamme aus Altenburg in Thüringen. Ich bin Ehemann und Familienvater. Ich bin gelernter Kaufmann, habe außerdem Betriebswirtschaftslehre studiert und war Manager in einem Gesundheitskonzern. Seit 2016 bin ich anerkannter Züchter von Continental Bulldogs. Zudem bin ich ausgebildeter NLP-Coach und Hundepsychologe nach Thomas Riepe. Meine gemachten Erfahrungen in allen Lebensbereichen – sowohl die positiven, als auch die negativen – halte ich für genau diejenigen, um genau dort zu stehen, wo ich heute bin. Und auch mein Entwicklungsprozess geht weiter.

In diesem Interview, bei dem ich bei Manuela Degenhardt in "DerStorypodcast" zu Gast war, erzähle ich meine Geschichte, wie ich zum Coaching und zur Hundepsychologie kam. Aber hör selbst!

HIER gehts zum DerStoryPodcast mit Manuela Degenhardt!